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Reisebericht 2020 aus Indien & Bangladesch
Im Januar 2020 reisten Gisela Burckhardt, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende, und Sina Marx, Referentin für Auslandsprojekte, nach Indien und Bangladesch. Wir sind regelmäßig bei unseren Partnerorganisationen vor Ort, um gemeinsam in die Zukunft zu planen und uns davon zu überzeugen, dass Ihre Spenden dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Hier wollen wir einige persönliche Eindrücke mit Ihnen teilen.
Eindrücke aus Bangladesch
Solidarität hilft - erfordert aber Mut
„Seit 2006 besuche ich Bangladesch regelmäßig, und jedes Mal bietet sich das gleiche Bild: viele junge Menschen, überall geschäftiges Treiben, geflickte Straßen. Die Hauptstadt Dhaka wirkt immer wie halbfertig, ein Wirrwarr von Häusern, schlechter Luft und Straßenlärm.
Die Textilindustrie prägt das Land, ein Großteil der Exporterlöse kommt aus diesem Sektor. Zusammen mit unserer Referentin für Auslandsprojekte, Sina Marx, spreche ich mit entlassenen Arbeiterinnen und vielen, die an einem Training zu geschlechtsspezifischer Gewalt am Arbeitsplatz (engl. gender-based violence, GBV) von unserem Partner BCWS teilgenommen haben. Miteinander sprechen und sich mit den Opfern sexueller Gewalt solidarisieren erfordert von den Frauen jedoch noch immer viel Mut. Dennoch wirken die Trainings und Beispiele zeigen, dass Frauen wagen sich zu wehren, obwohl die Gefahr groß ist, den Job zu verlieren.
Auch Proteste werden mit Entlassungen und schwarzen Listen bestraft. Tausende Arbeiterinnen demonstrierten gegen Lohnerhöhungen, die nach fünf Jahren 2019 zwar endlich gewährt wurden, jedoch so gering waren, dass von einer Verbesserung der Lebenssituation nicht die Rede sein kann. Von den entlassenen Arbeiterinnen haben viele bis heute keinen Job.
Alle Näherinnen, mit denen wir sprechen, berichten von einem stark angestiegenen Arbeitsdruck. Weniger Personen müssen die gleiche Menge produzieren. Der Druck ist so hoch, dass Frauen nicht mehr trinken, um nicht auf die Toilette zu müssen und Zeit zu verlieren. Ich frage mich oft: Wie halten sie das aus?“
Gisela Burckhardt
Ausbeutung der Mütter hat Konsequenzen für Kinder
„Wir besuchen auch Mim, eine Näherin, die 2017 auf Speakers Tour in Deutschland war, in ihrem Zuhause. Zusammen mit Tochter und Mann lebt sie in einem kleinen Raum in einer dunklen Arbeitersiedlung. Das große Bett füllt zur über die Hälfte den Raum aus, Kleidung hängt an der Wand. Das Zimmer ist düster, hat kein Fenster und als der Strom ausfällt, sitzen wir im Dunkeln. Toilette und Waschraum müssen sie mit vielen anderen Familien teilen. Die hochschwangere Mim wird demnächst alleinerziehend sein. Ihr Mann plant, mindestens fünf Jahre in Saudi-Arabien im Baugewerbe zu arbeiten. Er wird dort doppelt so viel verdienen wie in einer Textilfabrik in seiner Heimat.
An einem Tag überqueren wir mit einem kleinen Boot den dreckigen Fluss Buriganga, ein Seitenarm des Ganges. Ob es darin Fische gebe, fragen wir. Der Bootsmann winkt ab. „Keine Fische, nur Chemikalien.“ Auf der anderen Flussseite befinden sich die illegalen kleinen Bekleidungsfabriken mit bis zu 20 Arbeiter*innen, viele von ihnen noch Kinder. Die Kinderarbeit wird nicht versteckt, man freut sich über unseren unangemeldeten Besuch. Wir gehen einfach irgendwo die Stufen hoch, laufen den Geräuschen der Nähmaschinen nach, öffnen die Tür zu den stickigen kleinen Räumen. In den Etiketten der Hosen steht: „made in China“ oder auch „made in Thailand“ – sie produzieren hier vor allem für den einheimischen Markt, sagt man uns.
Unsere lokalen Partner erklären: „Kinderarbeit gibt es in den großen Fabriken kaum noch, das wollen die internationalen Einkäufer nicht sehen. Aber wenn die Frauen in diesen Fabriken für Hungerlöhne arbeiten, dann müssen eben ihre Kinder woanders was dazuverdienen, damit die Familie überleben kann.“
Sina Marx
*MSI = Multi-Stakeholder-Initiative, mehr dazu...
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