Geschlechtsspezifische Gewalt am Arbeitsplatz
Ein großer Teil unserer Mode wird in Bangladesch und Indien produziert - hauptsächlich von Frauen. Für viele von ihnen ist geschlechtsspezifische Gewalt in Form von Misshandlungen und Schlägen, sexueller Belästigung, Beschimpfungen und Drohungen bitterer Alltag. Beschwerdestellen auf Fabrikebene und rechtsverbindliche Vereinbarungen zwischen Unternehmen, Zulieferern und Gewerkschaften können diese Form der Gewalt zu unterbinden.
- physische Misshandlung wie gewalttätige Übergriffe, Körperverletzung, Mord
- sexualisierte Gewalt wie Vergewaltigungen, sexuelle Belästigung, Beschimpfungen
- psychische Gewalt wie Mobbing, Stalking, Nötigung, psychischer Missbrauch, Einschüchterung
- strukturelle Gewalt wie ökonomische/finanzielle Ausbeutung, Verwehrung des Zugangs zu Bildung
Weltweit gehört Gewalt an Frauen und Mädchen zu den am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen. In Ländern wie Indien und Bangladesch ist die Lage dramatisch: 76% der in Studien befragten Textilarbeiterinnen (PDF) gaben an, sie seien am Arbeitsplatz schon einmal mit geschlechtsspezifischer Gewalt konfrontiert worden, zum Beispiel in Form von Belästigung durch den zumeist männlichen Vorgesetzten.
Traditionelle patriarchalische Strukturen befördern die ungleichen Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen. Dabei ist geschlechtsspezifische Gewalt nicht zwangsläufig nur ein Mittel, um den steigenden Produktionsdruck weiterzugeben, sondern findet auch außerhalb von Fabriken als Ausdruck von Machtunterschieden statt. Viele Frauen finden in diesem Umfeld kaum Unterstützung, um sich zu wehren und ihre Situation zu verändern. Aus Angst davor, ihre Arbeitsstelle nach einer Beschwerde zu verlieren, schweigen sie. Gewerkschaften gibt es kaum und geltende Gesetze werden - wenn überhaupt vorhanden - nicht eingehalten.
Eine besondere Form von struktureller geschlechtsspezifischer Gewalt ist das Sumangali-System, welches in Spinnereien des indischen Bundesstaats Tamil Nadu angewendet wurde.
Unser Ziel
Frauen arbeiten an einem sicheren Arbeitsplatz - frei von Belästigung, Misshandlung, Nötigung oder finanzieller Ausbeutung.
Das wollen wir erreichen:
- Geschlechtsspezifische Gewalt ist als Problem gesellschaftlich anerkannt
- Aufklärungs- und Kampagnenarbeit steigern den Handlungsdruck.
- Politik, Unternehmen, zivilgesellschaftliche Organisationen und die Vertretungen der Arbeiter*innen treten in Dialog und handeln gemeinsam.
- Es gibt funktionierende Beschwerdemechanismen auf Fabrikebene und rechtsverbindliche Vereinbarungen gegen geschlechtsspezifische Gewalt zwischen Unternehmen, Zulieferern und Gewerkschaften
- Frauen vor Ort sind gestärkt: durch Trainings, die Einrichtung von Anlaufstellen, den Zugang zu Rechtsmitteln und Organisationsfreiheit sowie durch Unterstützung von frauengeführten Gewerkschaften.
Unsere Aktivitäten

Vertragliche Absicherung und Schutz durch das Dindigul-Abkommen
Durch die Mobilisierung weiterer Unternehmen, die Ausarbeitung einer zusätzlichen rechtsverbindlichen Vereinbarung sowie Bewusstseinsbildung und Unterstützung der Arbeiter*innen vor Ort wollen wir das bestehende Abkommen ausweiten und so Textilarbeiter*innen vor sexueller Missbrauch und Belästigung am Arbeitsplatz schützen.
BÜNDNISINITIATIVE ZUR AUSWEITUNG DES DINDIGUL-ABKOMMENS

Informieren, aufklären, Tabus brechen
Mit Vortragsreisen, Kampagnenarbeit und Studien fordern wir Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft in Deutschland zum Handeln auf.
Kampagne #GegenGewalt an Textilarbeiter*innen…

Moderne Sklaverei: Sumangali & Camp-Labour-System
Das Ausbeutungssystem wird seit kurzem von den Fabriken nicht mehr als „Sumangali" sondern als „Camp Labour“ bezeichnet, was nichts daran ändert, dass es sich um menschenverachtende Zwangsarbeit handelt.
Moderne Sklaverei: Sumangali & Camp-Labour-System

