Die moderne Form der Sklaverei in der globalen Textilindustrie: Indische Expert*innen auf Vortragsreise durch Deutschland (9. bis 21. Mai 2016)
Bonn, 07.04.2016. Vom 9. bis 21. Mai 2016 veranstaltet der Bonner Verein FEMNET in Kooperation mit Partnerorganisationen eine deutschlandweite Vortragsreise zum Thema „Moderne Sklaverei in indischen Spinnereien“. Zwei Expertinnen aus Indien, die Wissenschaftlerin Dr. Anibel Ferus-Comelo, Autorin der Anfang April veröffentlichten Studie „Die Moderne Form der Sklaverei in indischen Spinnereien“, und Mary Viyakula, Mitarbeiterin der indischen NGO SAVE (Social Awareness & Voluntary Education), sprechen an Modehochschulen, vor Vertreter*innen aus Wirtschaft und Politik und in öffentlichen Abendveranstaltungen über das Camp-Labour-System (früher Sumangali). Beide Expertinnen aus Indien und die FEMNET-Vorstandsvorsitzende Dr. Gisela Burckhardt stehen für Interviews zur Verfügung.
Podiumsdiskussion am 1. März 2016, 19 Uhr im Haus der Evangelischen Kirche „Kinderbetreuung ohne Kinder – Kitas in indischen Textilfabriken“
Bonn, 10.02.2016 – Der Bonner Frauenrechtsverein FEMNET e.V. lädt zusammen mit dem Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen und den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung zu der Veranstaltung „Kinderbetreuung ohne Kinder – Kitas in indischen Textilfabriken" ein. Katja Dörner, stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Dr. Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FEMNET e.V., und Parvathi Madappa, Mitarbeiterin der indischen NGO CIVIDEP, sprechen über die mangelhafte Kinderbetreuung in indischen Textilfabriken und die Verantwortung der internationalen Modefirmen gegenüber den Arbeiter*innen in den Produktionsländern.
Hintergrund ist eine Studie von FEMNET und CIVIDEP, die zeigt, dass in Fabriken, die u.a. H&M und C&A beliefern, keine angemessene kindgerechte Betreuung anbieten und damit gegen das indische Recht verstoßen. Ungeschultes Personal und kahle Aufenthaltsräume ohne Beschäftigungs- und Spielmöglichkeit, führen dazu, dass viele Näherinnen kein Vertrauen in die existierenden Krippen haben und die Kinder lieber anderweitig, notfalls allein zuhause, unterbringen. FEMNET informierte die einkaufenden Unternehmen, darunter H&M, über die Ergebnisse der Studie. Der schwedische Modekonzern zeigte bisher weder Gesprächs- noch Handlungsbereitschaft. DER SPIEGEL berichtete in der Ausgabe vom 30.01.2016.
Für die Studie, die im Rahmen des Projektes „Qualifizierte, kindgerechte Betreuung für die Kinder von Textilarbeiterinnen in Bangalore, Südindien" entstanden ist, wurden sechzig Frauen aus vier Textilfabriken befragt. Fast die Hälfte der Frauen sah sich aufgrund der mangelhaften Betreuung gezwungen, nach der Geburt eines Kindes zu kündigen – und verlor Ansprüche auf Bonuszahlungen und Versicherungsleistungen. Ziel des Projektes von FEMNET und CIVIDEP ist es, sichere Kitas mit gut ausgebildetem Personal zu etablieren. Einkaufende Unternehmen sollen ihre Produzenten in die Pflicht nehmen, gute Betreuungsangebote für Kleinkinder zu schaffen. Bangalores Textilindustrie umfasst nahezu 1.200 Produktionsstätten. In ca. 96% dieser Fabriken gibt es keine funktionsgerechten Krippen.
FEMNET e.V. ist eine Frauenrechtsorganisation, die sich für eine menschenwürdige Produktion in der globalen Textilindustrie engagiert. Der Verein ist Mitglied der Clean Clothes Campaign.
Infos für Redaktionen:
Interviews: Vor der Veranstaltung steht Parvathi Madappa für Interviews zur Verfügung. Bitte richten Sie Ihre Anfragen an:
Kristina Klecko 0228/18038116 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Der Brand in der Tazreen Fabrik in Bangladesch jährt sich zum dritten Mal - der US-Riese Walmart verweigert Entschädigungszahlungen
Neuer Entschädigungsprozess für die Opfer des Brandes von Tazreen endlich eingerichtet
Unternehmen werden aufgerufen bis zum Jahrestag am 24. November Gelder in den Fonds einzuzahlen
Die Clean Clothes Campaign und das International Labor Rights Forum rufen internationale Marken (darunter Walmart und El Corte Ingles) auf, ihren Beitrag an den Fonds zu leisten, der für die Entschädigung von Familienangehörigen der 112 getöteten und der verletzten Arbeiter*innen des Brandes in der Kleiderfabrik Tazreen in Bangladesch, eingerichtet wurde.
Am 24. November jährt sich zum dritten Mal der Tag des Brandes in der Fabrik Tazreen in Bangladesch. Als das Feuer ausbrach wurden die Arbeiter*innen im Inneren des Gebäudes eingeschlossen. Ausgänge waren verriegelt und der einzige Weg nach draußen waren die Fenster in den oberen Stockwerken. Über hundert Arbeiter*innen sprangen aus den Fenstern in der dritten und vierten Etage und zogen sich schwerwiegende Rücken- und Kopf-Verletzungen zu, die bei einigen zu chronischen Schmerzen führten. Die letzten drei Jahre kämpften Hinterbliebene der Toten und Überlebende um Entschädigung für den Verlust ihrer Angehörigen oder um ein eigenes Einkommen zu bestreiten.
Die Opfer des Fabrikeinsturzes von Rana Plaza werden endlich ihre vollständige Entschädigung erhalten
Der Rana Plaza Entschädigungsfonds erreicht sein Ziel von 30 Mio US-Dollar
Der Rana Plaza Entschädigungsfonds wurde durch eine anonyme Spende vollständig auf das Ziel von 30 Millionen US-Dollar aufgefüllt. Die Kampagne für Saubere wertet dies als Erfolg des anhaltenden Protestes der Öffentlichkeit.
Seit dem Fabrikeinsturz im April 2013 hat die Kampagne für Saubere Kleidung gefordert, dass Marken und Einkäufer Entschädigungen an die Opfer bereitstellen sollen. Über eine Million KonsumentInnen in ganz Europa und weltweit haben sich an den Aktionen beteiligt, damit die Firmen, die in einer der fünf Fabriken im Gebäude von Rana Plaza produzieren ließen, Verantwortung übernehmen. Der öffentliche Druck führte letztlich zu den Einzahlungen in den Fonds. Zum zweiten Jahrestag des Unglücks fehlten dem Fonds noch 2,4 Mio US-Dollar, um die benötigten 30 Mio US-Dollar zu erreichen. In den letzten Tagen ist eine große Einzahlung erfolgt, sodass die Zielsumme erreicht wurde.
Zahlreiche Unternehmen treten endlich dem Textilbündnis bei
Pressemitteilung der Kampagne für Saubere Kleidung zum Beitritt der Spitzenverbände und einzelner Unternehmen zum Bündnis für nachhaltige Textilien
Der Knoten bei den großen Textilverbänden ist geplatzt. Die Mehrheit der Verbände (der Handelsverband Deutschland (HDE), der Bundesverband der deutschen Sportarktikelindustrie, die Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) und textil+mode) sowie eine große Zahl ihrer Mitgliedsunternehmen sind dem Bündnis beigetreten. Die Grundlage für eine Breitenwirkung des Bündnisses wurde nun durch die Beitritte geschaffen.
FEMNET und die Kampagne für Saubere Kleidung werfen HUGO BOSS einen Mangel an gesellschaftlicher Verantwortung vor
Bonn. „Todschick – Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert“: Das Buch von Gisela Burckhardt enthüllt, dass auch für teure Marken wie HUGO BOSS Textilarbeiterinnen in Bangladesch ausgebeutet werden. Während sich das Unternehmen mit fairen Produktionsstandards schmückt, sieht die Realität bei den Zulieferern anders aus: Überstunden, marode Fabriken und keine Gewerkschaften. Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FEMNET, das Mitglied der Kampagne für Saubere Kleidung ist, hat die Aktionäre auf der Hauptversammlung von HUGO BOSS am 12. Mai in Stuttgart über ihre Rechercheergebnisse informiert.
Nach sechs Monaten interner Beratung haben die Unternehmensverbände der Textilwirtschaft (Gesamtverband Textil+Mode, Germanfashion, AVE und HDE) am 21.04.2015 auf einer Pressekonferenz in Anwesenheit von Entwicklungsminister Müller und Vertreter*innen des Textilbündnisses verkündet, dass sie ihren Mitgliedern einen Beitritt zum Textilbündnis empfehlen. Damit ist die Grundlage dafür gelegt, dass sich alle Beteiligten an die Detailfragen zur Umsetzung des Aktionsplans machen können. Dieser wurde am 16. Oktober 2014 bei der offiziellen Gründung des Textilbündnisses verabschiedet und orientiert sich an internationalen Sozial- und Umweltstandards.
(Berlin, 20.4.2014) In einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Forum Menschenrechte begrüßt das CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung, dass die Bundesregierung das Thema verantwortungsvolle Lieferketten auf die Agenda der G 7-Präsidentschaft gesetzt hat. Die Netzwerke fordern die Bundesregierung jedoch auf, es nicht bei freiwilligen Maßnahmen zu belassen. FEMNET e.V. ist aktives Mitglied im CorA-Netzwerk und unterstützt diesen Appell.
Erfolg der internationalen Kampagne von über 1 Mio Unterschriften! Benetton sagt Entschädigungszahlung für Rana Plaza Opfer zu, nur: zu wenig!
Das eingestürzte Rana Plaza Gebäude 2013(Bonn, 20.4.2015) Am 24. April 2013 starben 1.134 Menschen beim Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Bangladesch, als sie Kleidung für internationale Modeunternehmen nähten, darunter United Colours of Benetton, Mango, und die deutschen Unternehmen KiK, Adler Modemärkte, NKD, Güldenpfennig und Kanz/Kids Fashion Group. Viele Opfer warten auch zwei Jahre nach dem Unglück noch immer auf eine Entschädigung: Dem Fonds fehlen noch 6 Mio. USD, laut ILO werden 30 Mio. USD benötigt.