Weltmädchentag: Ein Mädchen arbeitet sich zu Tode – eine Initiative des Textilbündnisses kämpft dagegen
Sie war gerade einmal 14 Jahre alt. Und sie starb an Überarbeitung. Im indischen Chennai wollte das Mädchen N. Kaliyarasi, das in einer Spinnerei für große internationale Marken arbeitete, unbedingt den Bonus von rund 40 Dollar erreichen. Denn der magere Lohn von 3,50 Dollar reicht nicht zum Leben. Aber sie überforderte sich und starb. Hier wurde eindeutig die betriebliche Sorgfaltspflicht verletzt. In der Spinnerei gab es noch nicht einmal eine Krankenschwester, obwohl diese für Betriebe mit 200 Menschen vorgeschrieben ist.
Bonn. Zwei Jahre vor Eröffnung des Maximiliancenters in Bonn hat sich der Deutschland‐Chef von Primark Wolfgang Krogmann der kritischen Öffentlichkeit im Rahmen einer VHS-Veranstaltung gestellt. Gisela Burckhardt, Geschäftsführender Vorstand von FEMNET, diskutierte mit ihm und bemängelte, dass sich nach dem Gebäudeeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch fast nichts geändert hätte. „Die überwiegend weiblichen Beschäftigten müssen nach wie vor Überstunden von bis zu 14 Stunden leisten, sie werden beschimpft, gedemütigt und daran gehindert, sich Gewerkschaften anzuschließen. Die Löhne wurden seit drei Jahren nicht erhöht, der Mindestlohn liegt bei 60 Euro im Monat. Primark ist nicht schlechter als andere Marken, aber die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in vielen asiatischen Ländern kann man ändern“, so Burckhardt auf dem Podium. Krogmann verwies auf umfangreiche Auditierungen (Kontrollen) in den Produktionsstätten. Burckhardt betonte jedoch, dass Audits allein keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Millionen von Textilarbeiterinnen brächten, da dabei nicht die wahren Arbeitsbedingungen in den Fabriken zutage kämen.
In diesem Sommer befindet sich das Textilbündnis nach Einschätzung der zivilgesellschaftlichen Mitglieder in einer entscheidenden Phase: Wie viele Roadmaps (jährliche Maßnahmenpläne der Mitglieder zur Umsetzung sozialer und ökologischer Ziele) werden die Plausibilitätsprüfung erfolgreich bestehen? Wie viele Mitglieder des Textilbündnisses werden ihre Roadmap veröffentlichen? Welchen Anspruchsgrad werden diese Roadmaps haben? Wird das Bündnis sich auf inhaltlich verbindliche Anforderungen für die Roadmaps der nächsten Jahre wie zum Beispiel Schritte hin zur Umsetzung von existenzsichernden Löhnen einigen?
Alle Mitglieder des Textilbündnisses mussten für 2017 zum ersten Mal eine Roadmap erstellen und diese einer externen Prüfung auf Plausibilität durch einen unabhängigen Dienstleister unterziehen. Zahlreiche Unternehmen sind dieser Pflicht nicht nachgekommen und wurden aus dem Bündnis ausgeschlossen oder sind vorher ausgetreten. Zu den umsatzstärksten und öffentlich bekannten Unternehmen, die das Bündnis verlassen haben, zählen Engbers, Ernsting's Family, Real, Trigema und Walbusch.
CDU und FDP missachten in NRW-Koalitionsvertrag internationale Arbeitsrechte und Umweltstandards beim öffentlichen Einkauf
Düsseldorf. Erst Anfang April dieses Jahres trat das Tariftreue- und Vergabegesetz (TVgG) NRW in novellierter Fassung in Kraft. Jetzt will die neue Landesregierung der CDU und FDP darin enthaltene Regelungen zur Einhaltung internationaler Arbeitsrechte und Umweltstandards beim öffentlichen Einkauf wieder abschaffen. Das haben beide Parteien in ihrem Koalitionsvertrag unter der Überschrift „Wirtschaft und Bürger entfesseln – weniger Bürokratie“ angekündigt. Lediglich die Tariftreue, d.h. die Einhaltung des Mindestlohns und allgemeiner Tarifverträge, soll weiterhin beim öffentlichen Einkauf beachtet werden.
„Wer sich wehrt, wird entlassen.“ Diese ernüchternde Bilanz zieht Gisela Burckhardt von FEMNET, nachdem sie vor wenigen Tagen mit den Textilarbeiterinnen in Bangladesch gesprochen hat. Die waren vor Verzweiflung über ihre niedrigen Löhne im Dezember 2016 in den Streik getreten. Inzwischen haben viele ihre Arbeit verloren. Und auch bei denen, die arbeiten dürfen, hat sich die Situation nicht gebessert, im Gegenteil. Denn die Löhne sind unverändert niedrig geblieben. Der monatliche Lohn von umgerechnet 59 EUR ist seit 2013 nicht mehr erhöht worden. Doch die Lebenshaltungskosten sind wie überall gestiegen.
Hauptversammlung von Hugo Boss am 23. Mai – FEMNET fordert zu mehr Transparenz auf
Bonn. Hugo Boss lädt am kommenden Dienstag, 23. Mai 2017, zu seiner jährlichen Hauptversammlung nach Stuttgart ein. Um dort sprechen zu können, hat sich die Vorsitzende der Frauenrechtsorganisation FEMNET, Gisela Burckhardt, Aktien des Modekonzerns gekauft. Denn Hugo Boss zählt neben KiK zu den beiden deutschen Unternehmen, die immer noch Transparenz verweigern. Sie sind nicht der Aufforderung einer internationalen Koalition von neun Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften gefolgt, Informationen über die Fabriken zu veröffentlichen, die ihre Markenprodukte herstellen. Insgesamt wurden 72 Firmen gefragt, darunter sechs deutsche. „Gerade hochpreisige Marken wie Hugo Boss sollten doch in puncto Transparenz voranschreiten und sicherstellen,dass ihre Kund*innen Informationen erhalten, wo, von wem und unter welchen Bedingungen ihre Kleidung hergestellt wird“, meint Gisela Burckhardt.
EU-Parlament drängt auf Regeln gegen Ausbeutung von Arbeiter*innen
Am 27. April 2017 stimmte das europäische Parlament mit großer Mehrheit für rechtlich verbindliche Sorgfaltspflichten und Transparenz.
Die Abgeordneten schlagen eine Reihe von Maßnahmen vor:
Verbindliche Sorgfaltspflichten: Die EU sollte einen Gesetzesvorschlag für ein verpflichtendes System verbindlicher Sorgfaltspflichten auf Grundlage der OECD-Richtlinien vorlegen, ähnlich wie für die sogenannten „Blutmineralien“, das die gesamte Lieferkette abdeckt.
An Bedingungen geknüpfte Handelspräferenzen: Die EU sollte sicherstellen, dass Textil exportierende Länder mit bevorzugtem Zugang zum EU-Markt den Verpflichtungen nachkommen und nachhaltige Textilien produzieren, während sich die Mitgliedstaaten in ihren Beziehungen zu Partnerländern für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzen sollten.
Gütezeichen für Kleidung: Die “gesellschaftlichen Auswirkungen der Produktion” an der Kleidung sichtbar zu machen kann zur Herbeiführung nachhaltiger Veränderungen beitragen.
Vorbilder: die EU- Institutionen sollten in ihrer öffentlichen Beschaffung von Textilien mit gutem Beispiel vorangehen.
Die Entschließung wurde mit 505 Stimmen angenommen, bei 49 Gegenstimmen und 57 Enthaltungen.
Zum Equal Pay Day fordert FEMNET fairere Löhne weltweit
Bonn. Der internationale Aktionstag Equal Pay Day weist jedes Jahr darauf hin, dass Frauen und Männer immer noch ungleich bezahlt werden und fordert eine gleiche Bezahlung. 21 Prozent verdienen Frauen hierzulande weniger als Männer. Die Frauenrechtsorganisation FEMNET möchte diesen Tag auch nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Situation in anderen Ländern sogar noch schlimmer aussieht.
In einem Herstellungsland der Bekleidungsindustrie wie Indien zum Beispiel. Dort beträgt die Mindestbezahlung für ungelernte Arbeiter in Delhi rund 10 000 Rupien pro Monat (umgerechnet rund 143 Euro). Aber Näher*innen, die als Heimarbeiter*innen für die Textilindustrie beschäftigt sind, verdienen rund 2000 Rupien pro Monat, umgerechnet knapp 30 Euro – also nur ein Fünftel davon.
BUY GOOD STUFF – Fair Fashion Shopping Guide Köln nun auch als mobile Website www.buygoodstuff.de
Seit dem 1. Februar 2017 informiert die Internetseite www.buygoodstuff.de über ökologisch-nachhaltige und fair produzierte Mode in Kölner Geschäften inklusive Navigation per Smartphone.
Bonn. Der grüne Lifestyle erobert die Modeläden und beweist: Mode ist nicht nur schön, sondern kann auch verantwortungsvoll sein! Unter der Schirmherrschaft der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erschien im September 2016 der „BUY GOOD STUFF – Fair Fashion Shopping Guide Köln“ als Printausgabe. Dieser erste Einkaufsratgeber zu öko-fairer Mode in Köln, ein Kooperationsprojekt von der AMD Akademie Mode & Design, Fachbereich Design der Hochschule Fresenius, und dem Frauenrechtsverein FEMNET, steht nun auch als Online-Version zur Verfügung.
Weltweit leben nach Schätzungen knapp 46 Millionen Menschen in Sklaverei. Sie werden zur Arbeit in Fabriken, Minen oder Plantagen gezwungen oder für Sex verkauft.
Laut Studie des US-Außenministeriums werden in 16 Ländern Sklaven bei der Baumwollernte eingesetzt.
Indien hat mit geschätzten 11,7 Millionen den höchsten Anteil an Menschen in Sklaverei.
Im Textilbündnis beginnt die nächste Phase - Unsere Erwartungen an die Mitglieder
Stellungnahme der Zivilgesellschaft im Bündnis für nachhaltige Textilien zur Mitgliederversammlung 2016
Der Steuerungskreis hat Ende Oktober nach langen, nicht immer leichten Verhandlungen den Startschuss für die nächste Phase des Textilbündnisses gegeben. Die Zivilgesellschaft im Textilbündnis begrüßt diese Einigung und sieht dies als wichtigen ersten Schritt hin zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Wertschöpfungskette. Alle Mitglieder müssen nun bis Ende Januar 2017 eigene Umsetzungsziele, sogenannte Roadmaps, erstellen. Die Roadmaps werden die Bereiche benennen, in denen die Mitglieder ihre Lieferanten schrittweise auf bessere Arbeitsbedingungen verpflichten. Die Roadmaps sind also zentrale Leitfäden, an denen abgelesen werden kann, was und wie viel die Mitglieder, insbesondere Unternehmen, aber auch die öffentliche Hand bei der Beschaffung von Textilien, im Textilbündnis in der kommenden Zeit zu leisten bereit sind.
Fit in Fair Fashion: Modebloggerinnen und Germany’s Next Topmodel-Kandidatin Marie Nasemann beim Workshop in Köln
How to fair fashion: So lautet der Titel des Workshops für Modeblogger*innen, der am 13. November im Kölner Eco-Concept-Stores Fairfitters stattfindet. Special Guest ist Marie Nasemann, bekannt aus der Casting-Show Germany´s Next Topmodel, mittlerweile als Model und Schauspielerin erfolgreich.
Was haben Models und Modeblogger*innen gemeinsam? Sie leben davon, Mode zu präsentieren, darüber zu sprechen und diese zu verkaufen. Doch spätestens seit dem Unglück von Rana Plaza mit über 1.100 Toten und dem Dokumentarfilm „The True Cost“ hat Mode ihre Leichtigkeit verloren. Mode und gutes Gewissen – ein Widerspruch? Nicht unbedingt.
Die 27-Jährige Marie Nasemann kleidet sich privat fair und nimmt bevorzugt Aufträge fairer Modemarken an. Auch viele Modeblogger*innen wenden sich von Fast Fashion ab und konsumieren bewusster. Doch was ist echtes Anliegen und was bloß Schönfärberei?
Mitarbeiterinnen von FEMNET zeigen, woran man Augenwischerei erkennt und welche Modeunternehmen sich ernsthaft engagieren. Bekannte Modebloggerinnnen wie Jen und Anne von Modeaffaire, Hindi Kiflai von Dailyrewind und Ann-Cathrin von Fashionfika berichten von ihren Erfahrungen mit sauberer Kleidung. Nicht zuletzt stellen sich unter dem Motto „Wege in die Slow Fashion“ die Kölner Unternehmen Fairfitters, Shipsheip und Kleiderrebell vor.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation von FEMNET und SÜDWIND e.V., gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
FEMNET e.V. ist eine Frauenrechtsorganisation mit Sitz in Bonn, die sich für eine menschenwürdige Produktion in der globalen Bekleidungsindustrie engagiert. Der Verein ist Mitglied der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign). Mehr Infos unter www.femnet-ev.de
PROGRAMM – How to fair fashion? Workshop für Modeblogger*innen, 11-18.00 Uhr
11:30 Uhr Einblicke in faire Mode vor Ort: Drei Kölner Modeunternehmen
12:15 Uhr Was ist wirklich nachhaltig? Workshop mit Anne Neumann (FEMNET), Teil 1: Produktionsbedingungen von Fast Fashion und Greenwashing
14:00 Uhr Was ist wirklich nachhaltig? Workshop mit Anne Neumann (FEMNET), Teil 2: Wege zu nachhaltiger Mode: Umwelt- und Sozialstandards, Siegel und politische Initiativen
15:00 Uhr Best Practice des Fair-Fashion-Bloggens: Hindi Kiflai von Dailyrewind, Jen und Anne von Modeaffaire und Ann-Cathrin von Fashionfika im Gespräch
ab 16:30 Uhr Austausch im World-Café und Fair-Fashion-Shooting mit Marie Nasemann
Kontakt:
Kristina Klecko Tel. 0228-90917309 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.