Die COVID-19-Pandemie hat die prekären Arbeitsbedingungen weiblicher Wanderarbeiterinnen in der indischen Textilindustrie noch weiter verschärft. Eine Studie der Organisation READ (Rights Education And Development Centre) dokumentiert die Situation von Migrantinnen in Tamil Nadu und zeigt Verschlechterung der Arbeitsbedingungen auf.
In der gesamten Bekleidungsindustrie arbeiten mehrheitlich Frauen in Fabriken, die Männern gehören und von ihnen geleitet werden. Ein neuer Bericht wirft ein Licht auf geschlechtsspezifische Gewalt in Textilfabriken in der südlichsten Region Indiens.
Im indischen Bundesstaat Karnataka, mit seiner Hochburg der Textilindustrie Bengaluru, stehen drastische Änderungen eines wichtigen Arbeitsgetzes kurz vor der Umsetzung. Der sogenannte Factories Bill 2023, Karnataka Amendment löst einen bis dato geltenden Standard ab. Wichtige arbeitsrechtliche Errungenschaften wie etwa die Abschaffung von Nachtschichten oder die Einführung des 8-Stunden-Tagen sollen aufgehoben werden. Das geänderte Gesetz soll den Zulieferern mehr Spielraum gewähren, um flexibler auf Auftragslagen reagieren zu können. Die Arbeitsrechtorganisation Cividep erwartet deutliche Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen für tausende weibliche Beschäftigte.
Nach zwei Jahren Reisestopp fuhren Daniela Wawrzyniak, Koordinatorin der FEMNET-Auslandsprojekte, und Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FEMNET, vom 22. Mai bis 01. Juni 2022 für 10 Tage nach Tirupur in Tamil Nadu und nach Bangalore. Sie besuchten unsere Partnerorganisationen SAVE, READ, Munnade, GLU und Cividep und bringen viele Eindrücke mit.
Indien ist derzeit das weltweit am stärksten vom Coronavirus betroffene Land. Die hohen Fall- und Todeszahlen und die dadurch verhängten Lockdowns haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Textilarbeiter*innen. Laut FEMNETs Partnerorganisationen stehen diese unter einer hohen psychischen Belastung. Zudem sind sie aufgrund ihrer Arbeits- und Wohnsituation einem erhöhtem Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Die Restriktionen führen auch zur Häufung von Kinderarbeit.
Im November 2017 besuchte Sina Marx, bei FEMNET verantwortlich für den Solidaritätsfonds, die FEMNET-Partnerorganisationen Cividep und Munnade in Südindien. Mit Cividep zusammen schaute sie sich Kinderbetreuung in Bekleidungsfabriken in Bangalore an. Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes setzen sich FEMNET und Cividep seit 2015 für eine Verbesserung der Kinderbetreuung in den Zuliefererfabriken großer Markenunternehmen ein und machen sich mit der Kampagne #WerPasstAuf? auch in Deutschland dafür stark.
Zusammen mit der von FEMNET unterstützten Nichtregierungsorganisation Munnade und der Gewerkschaft Garment Labour Union (GLU) besuchte sie Näherinnen zuhause. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen.
Die Gewerkschaften forderten auch die Umsetzung aktiver und funktionaler Fabrikkomitees zur Bekämpfung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Das entsprechende Gesetz wurde 2013 verabschiedet und sieht vor, dass alle Arbeitgeber mit mehr als zehn Beschäftigten effektive Mechanismen zur Vorbeugung von sexueller Belästigung und zur Bearbeitung von Beschwerden einrichten müssen. Die Vorgaben werden jedoch nur von wenigen Arbeitgebern umgesetzt. Sexuelle Belästigung durch Vorgesetzte ist noch immer in vielen Fabriken an der Tagesordnung.